St. Martin

 

St. Martin Soldat – Kriegsdienstverweigerer – Bischof Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross, das trug ihn fort geschwind ..." So singen es Kinder und Erwachsene, wenn im November die Zeit der Martinszüge gekommen ist. Das Lied erzählt eine "Schlüsselgeschichte" aus dem Leben des Martin: Als Sohn eines römischen Militärtribunen im Jahr 316 n. Chr. geboren und selbst römischer Offizier, begegnet er in der römischen Provinz Gallien einem frierenden Bettler und zerschneidet seinen Soldatenmantel, um dem Bettler ein wärmendes Kleidungsstück zu verschaffen. Mit dieser Begegnung freilich ist die Geschichte nicht zu Ende: In der darauffolgenden Nacht hat Martin einen Traum, in dem ihm Jesus als Bettler erscheint, bekleidet eben mit dem halben Mantel, und mit den Worten: "Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan." (Matthäus 25,40) Martin ist zu dieser Zeit noch kein Christ. Er ist als Katechumene auf dem Weg, den christlichen Glauben kennen zu lernen. Taufen lässt er sich erst später. Und seine Taufe hat Konsequenzen. Im Jahr 355 verweigert Martin vor dem späteren Kaiser Julian den Kriegsdienst mit den Worten: "Ich bin ein Soldat Christi, es ist mir nicht erlaubt zu kämpfen." Damit bekennt er sich zu einer Überzeugung, die in der christlichen Kirche der ersten Jahrhunderte weit verbreitet war, und lässt sich auch durch den Vorwurf der Feigheit vor dem Feind nicht abbringen von seiner Entscheidung. Als Bischof von Tours (seit 371) wurde Martin von seinen Mitbischöfen geschnitten, weil er wie ein Mönch in einer einfachen Hüte lebte und bis zu seinem Tod im Jahr 397 daran festhielt, dass "Ketzer" (Andersgläubige) nicht mit Gewalt "überzeugt" werden dürften. "Tragt in die Welt nun ein Licht, sagt allen fürchtet euch nicht!" so singen Kinder und Erwachsene bei den Martinszügen. Furcht wird dort überwunden, wo Konflikte mit weitem Herzen und ohne Gewalt ausgetragen werden. Wer diese Botschaft der Bibel zum Leuchten bringt, ist ein "Heiliger" – wie Martin und viele andere, deren Namen wir nicht kennen.

Ulrich Holste-Helmer